Im Dienst der Information 1978 - 2016

Erfahrungen

Türkei

Im Umfeld des Attentats vom 13. Mai 1981, auf Papst Johannes Paul II., wurde nebst dem Schützen Ali Agca vermutet, dass eine zweite Person auf dem Petersplatz anwesend war. Der Verdacht fiel auf Oral Celik, türkischer Staatsbürger und bekannt als Chef der "Grauen Wölfe" in Malatya, der Heimatstadt des eigentlichen Attentäters. Bekannt sind die Verschwörungstheorien, die von einer bulgarischen Spur bis in Richtung Moskau zeigten. Nachdem Oral Celik in Frankreich gefunden und dort festgenommen wurde, kam er in Italien vor Gericht. Das Verfahren gestaltete sich als mühselig, da die Verteidigung immer neue Aspekte in die Waagschale warf. Erschwerend auch die Tatsache, dass der Beschuldigte ausserhalb des italienischen Territoriums verhaftet worden war. Die Regierung in Frankreich hatte Oral Celik einen in Italien als herausragend bekannten Anwalt, Michele Gentiloni, zur Verfügung gestellt. Dieser war auch der Verteidiger des Grossmeisters der Geheimloge P2, Licio Gelli. Der Prozess verlief in der für Italien in solchen Fällen üblichen Weise, mit einem Freispruch. Da Oral Celik aber unter französischer Protektion stand, nutzte die Staatsanwaltschaft der Stadt Basel die Chance, ihn in die Schweiz überstellen zu lassen, wo gegen Celik ein Verfahren wegen Drogenhandels anstehend war. Hier kam mein Dienst zum Einsatz. Es war bekannt, dass viele italienische Gerichtsurteile handschriftlich abgefasst wurden. Zudem wussten die Schweizer Behörden, dass diese Dokumente bis zu zwei Monaten unterwegs sein konnten, bis sie der Basler Staatsanwaltschaft vorlagen. Durch mein Beziehungsnetz traf das Gerichtsurteil fast gleichzeitig mit dem Beschuldigten ein. Zum Dank erhielten wir von der Basler Behörde eine maschinengeschriebene Abschrift  und eine Übersetzung des Dokuments. Wochen später erhielt die Basler Staatsanwaltschaft einen diskreten Anruf aus Bern. In der Folge wurde Celik klammheimlich nach Zürich-Kloten gebracht und nach Ankara geflogen, wo er bald wieder seine Tätigkeit als Präsident der Fussballmanschaft von Malatya aufnehmen konnte. 

Ich selbst reiste im Juli 2006, unter Berücksichtigung der mir in Basel geratenen Vorsicht, nach Malatya. Am 13 Juli 2006 begnadigte der italienische Staatspräsident Azeglio Champi, im Einvernehmen mit dem Heiligen Stuhl, Ali Agca, der noch am gleichen Tag in seine türkische Heimat überstellt wurde. Die Tatsache, dass ich an jenem Tag ebenfalls in der Türkei war, muss dem Zufall zugerechnet werden, ausser dass ich später feststellen musste, dass türkische "Elektriker" sich in meinem Hotelzimmer (ich wohnte aus praktischen Gründen in zwei Hotels) währenden eines Stadtausflugs an meinem Laptop zu schaffen gemacht hatten und ihn dabei (versehentlich ) blockierten. In der Schweiz wurde mir aber das nagelneue Gerät, das bis dahin noch keinen Speicherinhalt vorwies, anstandslos ersetzt. Dies gehört nun einmal zu den Berufsrisiken eines recherchierenden Journalisten.  

Am 27.12.2014 besuchte der Attentäter Agca das Grab des Heiligen Papstes Johannes Paul II., wurde dann aber von den italienischen Behörden festgenommen und zwei Tage später ausser Landes gebracht, daer kein gültiges Visum für diesen Besuch des Grabes vorweisen konnte...


Libyen

Auf Bitte von Jean-Marie Bressand, Präsident des Le Monde Bilingue reiste ich im August 1990 nach Libyen. Mit einer kleinen Gruppe von Medienschaffenden berieten wir uns mit dem Obersten über die Situation der Tuareg in der Sahara. Die Gespräche fanden in Algerien statt, wohin uns Ghaddafi (nicht ganz freiwillig) in einem libyschen Flugzeug  "geschafft" hatte. Der Anlass war durch die Besetzung von Kuwait durch irakische Regierungstruppen getrübt. Meine Mission als Pressechef der französische Organisation "Le Monde Bilingue" war rein informativer Natur dieser Organisation, die sich auch um politische Information kümmerte. Dies in loser Zusammenarbeit mit dem DST, dem damalingen Inlandgeheimdiensts in Paris. In der Folge verfasste ich einen kurzen Artikel in der Tageszeitung NZZ.

Irak

Im Dezember 1990 beauftragte mich ein Schweizer Unternehmen mit der Befreiung von zwei ihrer Mitarbeiter, die in Bagdad von der Regierung festgehalten wurden. Ich reiste in den Irak, um mit der Regierung von Präsident Saddam Hussein Kontakt aufzunehmen. Die Mission war von Erfolg gekrönt.

Die konkreten Verhandlungen in Bagdad liefen über den damaligen Patriarchen der chaldäischen Katholiken, Raphaël I. Bidawid. Einen Monat später war ich wiederum im Irak. Da ich in einem Gebäude wohnte, das einer ausländischen Botschaft gehörte, wurde ich bei Beginn des ersten Golfkriegs als Journalist nicht aus dem Land verwiesen und durfte dem päpstlichen Botschafter, Erzbischof Marian Oles einige Hilfeleistungen  anbieten. Eine davon war die persönliche Überbringung eines Schreibens von Präsident Saddam Hussein an Papst Johannes Paul II. nach Rom. Später gründete ich - zusammen mit Politikern, Prälaten und anderen Hilfswilligen die "Aktion S.O.S. Kinder im Irak", die von Amman aus viele Hilfsgüter in den Irak schaffen konnte. In der Folge wurde ich zum Dank von Königin Noor in den Palast eingeladen. 

rumänien

Jahre später war ich dabei, als der Schweizer Banker Cyrill B. in Rumänien unter einem falschem Vorwand (Geldwäsche) von den Behörden festgehalten wurde. Ich reiste auf Umwegen dorthin, sprach mit dem unter Hausarrest stehenden Klienten und nahm mit einer Gruppe von lokalen Anwälten Kontakt auf. Diese lancierten eine lokale Medienkampagne, durch einen Verlag, der in deutschem Besitz war. Ich selbst sprach mit dem eigentlichen Protagonisten, ein rumänischer Senator, Aristide Roibu, der früher Geschäftsführer des Schweizer Bankers war. Zudem motivierte ich die Schweizer Regierung, gegen die verleumderischen Anschuldigungen vorzugehen. Die kreative Spitzenleistung erbrachte aber die Schweizer Diplomatie, als sie dem rumänischen Staatschef den Entzug der Landeerlaubnis für seine Regierungsmaschine "angedroht" hatte, zu einem Kongress, an dem der Präsident in der Schweiz eingeladen war. Innert 24 Stunden war mein Klient auf freiem Fuss.

ein abt ruft um hilfe

Ein viel komplexer Fall war jener des angeblichen KGB-Agenten Wolfgang von U., der sich in das Kloster Hauterive in der Schweiz eingeschlichen hatte und im Namen des Abtes Tausende von Franken verschleuderte. Anfänglich wollten sich die Behörden in Bern zurückhalten. Nach meinen "motivierenden" Gesprächen und durch die Hilfe der Schweizer Bundespolizei wie den italienischen Carabinieri konnte ich dem gebürtigen Deutschen eine kostenlose Rückreise in seine Wahlheimat Brasilien ermöglichen, über Fribourg, Chiasso und auf einem Bananenfrachter der in Genua vor Anker lag.

albanien

Eher abenteuerlich waren meine Einsätze in Albanien. 1992 als Initiant einer Hilfsaktion, mit den Mitteln die uns von SOS KINDER IM IRAK verblieben waren. Als Dank hatte mich der damalige (katholische) Außenminister Dr. med. Alfred SERREQI zum Honorarkonsul in der Schweiz nominiert, ein Angebot das ich noch vor der Übergabe des Beglaubigungsschreibens diplomatisch abgelehnt habe, aufgrund eines Tipps eines Schweizer Generalkonsuls. Der päpstliche Pressesprecher Federico Lombardi half mir damals bei der Formulierung des Textes. Ich kannte fast die gesamte Nomenklatura Albaniens persönlich (Sali Berisha, Alexander Meksi, Pietr Arbnori, etc.). Dringend hatte ich noch vor dem 1997 Präsident Sali Berisha vor den Gefahren gewarnt, die im lockeren, finanziellen Schneeballsystem schlummerten. Später gab er mir gegenüber seine Fehleinschätzung zu. Die dabei ausgelöste "Revolution" erlebte ich, in luftiger Höhe in Kruja, im Heimatort des Volkshelden Skanderbeg, in einem Hotel mit vergitterten Zimmern und einer am Bett angelehnten Kalaschnikow, die mir der Hotelier als Bedingung für den Verbleib aufgedrängt hatte, samt einer Schachtel Munition. Dass meine damalige Berichterstattung, für ein journalistisches Büro in der schweizerischen Hauptstadt, in Tat und Wahrheit für die CIA in Langley bestimmt war, erfuhr ich erst Jahre später durch die Schweizer Bundespolizei.

Frankreich

Während vieler Jahre wohnte ich in Frankreich, wo ich u.a. Vorstandsmitglied des
LE MONDE BILINGUE wurde, einer Organisation, 1950 vom ehemaligen Militärgeheimdienstler Jean-Marie BRESSAND gegründet, die sich weltweit mit der politischen Förderung der Sprachvermittlung im frühesten Kindesalter einsetzte. Ich wirkte dort als Medienverantwortlicher für die Kongresse in Amsterdam, Luxembourg, Barcelona und im algerischen Tlemcen, wo ich auch für die Sicherheit der europäischen Teilnehmer verantwortlich war. Zu unserem Kreis der Unterstützer zählten damals ehemalige französische Minister und Abgeordnete, so  auch Jean Ziegler (UNO) und Christiane Taubira (französische Abgeordnete und später Justizministerin in der Regierung von François Hollande). 2002 schlug Bernard Stasi unsere Organisation und dessen Gründer für den Nobelpreis vor.